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GPS-Lenksystem am Traktor nachrüsten: Möglichkeiten, Kosten und Ablauf

Ein GPS-Lenksystem nachzurüsten bedeutet nicht einfach, ein Display in die Kabine zu bauen. Für den Landwirt ist entscheidend, welche Lösung technisch zum Traktor passt, welcher Montageaufwand entsteht und welche Genauigkeit im Alltag realistisch erreichbar ist. Moderne Nachrüstsysteme können heute sehr viel leisten: präzisere Anschlussfahrten, weniger Überlappung, weniger Stress am langen Arbeitstag und bessere Vorbereitung für Funktionen wie Section Control oder ISOBUS.

Trotzdem ist nicht jedes System für jeden Traktor gleich sinnvoll. Ein Betrieb mit mehreren älteren Schleppern stellt andere Anforderungen als ein Betrieb mit einem neuen steer-ready Traktor. Wer hauptsächlich düngt und Grünland fährt, braucht nicht zwingend dieselbe Ausstattung wie jemand, der säen, spritzen, Vorgewende automatisieren und Applikationskarten nutzen möchte.

Drei Nachrüstwege im Überblick

Die einfachste Stufe ist optische Parallelführung. Beim FJD AG1 lenkt der Fahrer weiterhin selbst anhand der Anzeige. Das System greift nicht aktiv in die Lenkung ein, benötigt keinen Lenkradtausch und keinen Lenkwinkelsensor. Montiert werden im Wesentlichen GNSS-Empfänger, Terminal und Stromversorgung. Mit RTK sind bis zu 2,5 cm Spurgenauigkeit möglich. Das AG1 ist deshalb interessant, wenn schnell und vergleichsweise unkompliziert präziser gefahren werden soll.

Die nächste Stufe ist automatische Lenkung mit aktivem Lenkeingriff. Beim FJD AT2 und AT2 Max werden unter anderem Display, GNSS-Empfänger, Lederlenkrad mit Lenkmotor und Lenkwinkelsensor verbaut. Der Traktor folgt dann automatisch der angelegten Linie. Das AT2 arbeitet mit einem 10-Zoll-Display, das AT2 Max mit einem 12-Zoll-Display. Beide Systeme eignen sich für Betriebe, die nicht nur eine Linie angezeigt bekommen möchten, sondern die eigentliche Lenkbewegung dem System überlassen wollen.

Für steer-ready Traktoren gibt es mit AS2 eine integrierte Lösung. Dabei bleibt das originale Lenkrad erhalten. Das System nutzt die vorhandene Lenkvorbereitung und steuert die vorhandene hydraulische Lenkung direkt an. Voraussetzung ist, dass der Traktor tatsächlich passend vorbereitet und kompatibel ist. AS2 ist also nicht einfach "das bessere AT2", sondern eine andere Einbauart für Fahrzeuge mit passender Vorbereitung.

Wann ist welche Lösung sinnvoll?

Optische Spurführung ist sinnvoll, wenn der Fahrer weiterhin selbst lenken möchte, der Montageaufwand niedrig bleiben soll oder das System häufig zwischen Maschinen wechseln soll. Typische Arbeiten sind Düngerstreuen, Grünland, einfache Bodenbearbeitung oder Arbeiten, bei denen es vor allem um bessere Orientierung geht.

Ein elektrisches automatisches Lenksystem wie AT2 oder AT2 Max lohnt sich stärker, wenn viele Stunden gefahren werden, die Arbeitsbreite konsequent genutzt werden soll oder der Fahrer deutlich entlastet werden soll. Besonders bei Aussaat, Pflanzenschutz, Bodenbearbeitung und wiederkehrenden Fahrspuren merkt man den Unterschied im Alltag.

AS2 lohnt sich, wenn ein geeigneter steer-ready Traktor vorhanden ist und eine möglichst integrierte Lösung gewünscht wird. Das originale Lenkrad bleibt erhalten, es wird kein Motorlenkrad aufgebaut und die Lenkung läuft über die vorhandene Fahrzeughydraulik. Dafür muss die Fahrzeugkompatibilität genauer geprüft werden.

Was muss vor der Nachrüstung geprüft werden?

Für AT2 und AT2 Max sind vor allem die Lenksäule, die Kabine, die Befestigung des GNSS-Empfängers, die Stromversorgung und der Platz für das Terminal wichtig. Der Lenkwinkelsensor muss sauber montiert und kalibriert werden, weil er jede Lenkbewegung erfasst und damit wesentlich zur Spurführung beiträgt.

Bei AS2 ist die Kernfrage anders: Hat der Traktor eine nutzbare Lenkvorbereitung, CANBUS-Anbindung beziehungsweise eine passende fahrzeugspezifische Schnittstelle? Wenn ja, kann die vorhandene Hydraulik genutzt werden. Wenn nein, ist AT2 oder AT2 Max meist der realistischere Nachrüstweg.

Wichtig ist außerdem das Anbaugerät. Ein Lenksystem wird nicht nur auf den Traktor eingestellt, sondern auch auf Arbeitsbreite, Geräteversatz, Antennenposition und Einsatzart. Wer mit Drillmaschine, Grubber und Spritze arbeitet, sollte die Geräteprofile sauber anlegen und nicht mit einer einzigen pauschalen Einstellung fahren.

Ablauf der Montage

Beim elektrischen Lenksystem werden das originale Lenkrad gegen das Motorlenkrad ersetzt, der GNSS-Empfänger auf dem Dach montiert, das Terminal in der Kabine befestigt und der Lenkwinkelsensor am Achsschenkel installiert. Danach werden Fahrzeugmaße, Antennenposition, Lenkverhalten und Arbeitsgeräte im System eingerichtet.

Beim AS2 werden Terminal, GNSS-Empfänger und fahrzeugspezifische Verkabelung montiert. Der Lenkeingriff erfolgt dann über die vorhandene Fahrzeughydraulik. Nach der Montage ist die Kalibrierung entscheidend. Falsch hinterlegte Fahrzeugmaße oder ein schlecht kalibriertes Lenkverhalten führen später zu ungenauen Anschlussfahrten, auch wenn die Hardware gut ist.

Typische Fehler bei der Nachrüstung

Ein häufiger Fehler ist, nur auf den Gerätepreis zu schauen. Ein Lenksystem ist erst dann eine Arbeitslösung, wenn Korrektursignal, Montage, Kalibrierung, Fahrzeugprofil und Anbaugeräte sauber zusammenpassen.

Ein zweiter Fehler ist die falsche Antennenposition. Wird die Antenne nicht korrekt vermessen und im System hinterlegt, fährt das System nicht dort, wo es laut Display fahren soll. Gerade bei versetzten Arbeitsgeräten oder Front-Heck-Kombinationen wird das schnell sichtbar.

Ein dritter Fehler ist, die Kalibrierung zu unterschätzen. Die Landwirtschaftskammer Steiermark weist in ihrem Beitrag zu Nachrüstlenksystemen ebenfalls darauf hin, dass exakte Kalibrierung und Justierung entscheidend für die Performance sind. Die Marke des Systems allein macht keine gute Spur.

Welche Genauigkeit ist realistisch?

Mit geeignetem RTK-Korrektursignal geben die FJD-Systeme eine Spurgenauigkeit von bis zu 2,5 cm an. In der Praxis hängt das Ergebnis zusätzlich von Kalibrierung, Antennenposition, Anbaugerät, Bodenverhältnissen, Fahrgeschwindigkeit und Signalqualität ab.

Für einfache Orientierung kann bereits optische Führung sehr viel bringen. Für wiederholbare Fahrspuren bei Aussaat oder Pflanzenschutz sollte dagegen RTK sauber eingerichtet sein. Wer später Section Control nutzen möchte, braucht außerdem eine zuverlässige Position, weil Teilbreiten nur so sauber geschaltet werden können.

Checkliste vor der Entscheidung

  • Welcher Traktor soll ausgerüstet werden?
  • Hersteller, Modell, Baujahr und Ausstattung?
  • Ist eine Lenkvorbereitung vorhanden?
  • Soll der Traktor selbst lenken oder reicht optische Führung?
  • Welche Arbeiten werden gefahren?
  • Welche Arbeitsbreiten und Geräte kommen zum Einsatz?
  • Soll das System auf mehreren Traktoren genutzt werden?
  • Ist RTK-Mobilfunkempfang auf den Flächen vorhanden?
  • Soll später Section Control oder ISOBUS genutzt werden?

Deine nächsten Schritte

Prüfe zuerst, ob du optische Führung, elektrische automatische Lenkung oder eine Steer-ready-Lösung suchst. Notiere Hersteller, Modell, Baujahr, vorhandene Lenkvorbereitung und geplante Arbeiten. Damit lässt sich sehr schnell eingrenzen, ob AG1, AT2, AT2 Max oder AS2 der passende Weg ist.

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